Pontati = eine reine Informationsseite über meine Arbeit. Sie gliedert sich ohne Navigation und sonstige smarte Designfunktionen in die Bereiche Projekt, Fragment, Bild, Text und Typ in der Folge von oben nach unten.

 

 

Die Liebe der Mutter waren Heftromane, welche sie immer in ihrer Schürzentasche mit sich trug und süchtig in jeder freien Minute las. Die Schürze wird mit einem auf Futterstoff gedruckten Roman des Geburtsjahres des Kindes gefüttert.

 

Das Herz des Kindes ist leer. Ein rot umsticktes Loch in Herzform klafft im weißen Erstkommunionkleid, welches mit zart hautfarbenem Stoff gefüttert ist.

 

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Laufendes Projekt: Die ersten sechs Bilder meines Jagdcomics "7 schwarze Teufel"

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Abgeschlossenes Projekt: Das Leben der Irene H.

Arbeiter stellten das Leben von Frl. Irene H. (Jahrgang 1920) in den Regen auf die Straße, wo ich es in einem Karton
fand. Ich kannte sie nicht, nahm "sie" aber mit, weil es mir weh getan hat, dass die Erben offensichtlich nur die "wertvollen" Dinge haben wollten. Ich zog in 15 Jahren viermal mit ihr um und habe ihr jetzt einen Raum gegeben. Ihre Fotos, die zerlesenen
Feldpostbriefe, eine Radix-Zeichnung, das Testament, in dem sie ihre Mutter als Alleinerbin eingesetzt hatte, das Gutachten eines Opernsängers, kleine Tagebuchschlüssel, eine kleine Perle, ein Ring und zwei Brettspielfiguren finden Platz in einem
50 x 50 x 50cm-Kubus, der wie ein Lampenschirm an der Decke hängt. Die Feldpostbriefe sind in der Installation als eine von
einer Männerstimme gelesene Audiodatei zu hören. Der Kubus ist innen beleuchtet und nur von einer Person, welche sich darunter begeben muss, einseh- und erfahrbar. In einer Raumecke steht ihr Servierwagen, darauf ein altes Radio, aus dem leise die Arie "Ebben? Ne andrò lontano" aus der Oper "La Wally" von Catalani erklingt. Sie war das einzige Kind ihrer Eltern, hat immer bei
ihnen gelebt und nie geheiratet. Sie wäre gerne Opernsängerin geworden.

 



 

Fragmente = Arbeiten aus früheren Jahren. Leider gibt es nur wenige Fotos. Einige Arbeiten befinden sich in Privatbesitz, die meisten jedoch habe ich 2005 nach dem Bruch meiner Familie zerstört.

Theodor W. Adorno: "Das Fragment ist der Eingriff des Todes in das Werk. Indem er es zerstört, nimmt er den Makel des Scheins von ihm."

 

 

Mein Atelier in der ehemaligen Intensivstation des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Nymphenburg.

 

Aufweichen des Gipses nach dem Kunststoffabguss.

Tonmodell. Später Abguss in Beton.

Die beiden Figuren wurden während der Akademieausstellung 1983 nachts von einem Kommilitonen zertrümmert.

 

 

"Brave Studien" (1980 - 1983)

 

Fem - Male (1984) Wut auf Papier

 

Mutterschiff (1984) Wut auf Papier

 

Kröten (1983)

 

Frösche (1984), Nessel, Füllwatte, Aquarellfarbe

 

 

Polis und Thetis, aus "Petrolio" von Pasolini (1991) Wandfarbe auf Hartfaser

 

 

Schaf (1995), Öl auf Leinwand

 

 

Nachtschnee (2002) Acryl auf Leinwand

 

 

Venezia-Gen (2003) Öl auf Leinwand

 

 

Bretagne (2003) Öl auf Leinwand

 

 

 

 

 

 

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Texte = Die ersten habe ich auf Klopapier geschrieben und gezeichnet, weil ich als Kind nur Zeitungspapier zum "Vollschmieren" bekam. Einen richtigen Zeichenblock mit zehn leeren Blättern gab es immer nur zu Weihnachten und zum Geburtstag.


Filmstoff: Wie Erwin, zugleich Darsteller und Regisseur seiner eigenen Selbstinszenierung, plötzlich die Kontrolle über das Spiel verlor.

Erwin (52) ist ein unscheinbarer Bankangestellter, der alleine in München lebt. Nach einer gescheiterten Beziehung mit einer Lehrerin hat er sich zurück gezogen und ist auf diese Weise Junggeselle geblieben. Er wohnt mit idyllischem Blick in den Forstenrieder Park; erst bei näherem Hinsehen entpuppt sich die Aussicht in den Wald als der Blick aus einem Hochhaus, das dort am Waldrand steht.
Außer seinem geordneten Leben in der Bank gibt es kleine Leidenschaften. Die eine ist seine bereits schon Jahre andauernde Suche nach einem Laptop, das auch noch nach zwei Jahren modern ist. Immer, wenn er sich am Abend zum Kauf entschieden hat, sieht er am nächsten Tag ein neues Modell im Geschäft oder liest dies in einer Computerzeitschrift im Supermarkt, wo er die meiste Zeit seiner kleinen Einkäufe am Zeitungsstand verbringt, ohne eine Zeitschrift zu kaufen.

Seine andere Leidenschaft ist das Angeln. Von Jugend an besitzt er den Angelschein. Er hat eine Angelerlaubnis am Starnberger See. Einmal im Monat besucht er seine 80-jährige Mutter im Berchtesgadener Land, die dort als Witwe allein im alten Haus lebt. Sein größter Traum ist es, am Königssee einen wirklich kapitalen Hecht zu fangen, wo er aber keine Angelgenehmigung bekommt. Immer, wenn er am Wochenende seine Mutter in Tittmoning besucht, macht er einen Abstecher zum Königssee, geht am Ufer entlang und beobachtet die jagenden Hechte in der Dämmerung. Mitunter mietet er ein Boot, stellt sich draußen im Boot liegend bildhaft vor, seinen Lebenshecht zu angeln und von aller Welt dabei beobachtet zu werden. Vor seinem inneren Auge laufen Szenen ab, wie er stundenlang mit dem Fisch kämpft und er von anderen Booten oder vom Ufer aus bewundert wird.

Er hasst die selbstgefällige Münchner Schickeria auf ihren Segelbooten. Keiner von denen sieht es, wenn er frühmorgens draußen auf dem Starnberger See im gemieteten Elektroboot wartet und ab und zu auch einen Fisch erwischt. Die Sehnsucht, es eines Tages allen zu zeigen, wird immer größer. Als er an einem Sonntagmorgen etwas später als sonst anlegt, ist einer Dreier-Bootsgruppe gerade beim Ablegen. Sie fragen, ob er was gefangen hätte. Machen sich lustig über ihn, fragen dann, wie der Date mit der Seejungfrau war. Diese für ihn demütigende Begegnung ist der Auslöser dafür, sich seinen langersehnten Wunsch mit dem Königsseer Hecht zu erfüllen.

Er kauft ein kleines grünes Kunststoffboot und schafft es zu sich in die Wohnung. Dann beginnt er ein aufwendiges Gestell dafür zu bauen, woran er eine große Lampe und seine Videokamera befestigen kann. Durch das Fenster sieht man ihn arbeiten und hantieren; seine Küche verwandelt sich nach und nach in eine Werkstatt, während das kleine grüne Boot im Wohnzimmer auf dem grünen Teppichboden auf seinen Einsatz wartet. Manchmal liegt er drin und träumt vor sich hin, während aus seiner Dolby-Surround-Anlage Chormusik (Fischer-Chöre) erklingt. An einzeln eingestreuten Urlaubstagen rudert er inkognito mit einem Leihboot auf dem Königssee herum und ortet jagende Hechte. Als er ein besonders großes Exemplar entdeckt, gilt's. Auf dem Dach seines alten grünen Mercedes schafft er nachts sein Boot zum Königssee und rudert weit hinaus. An einer uneinsehbaren Stelle versteckt er es im Gebüsch. Von dort stolpert er mit einer Taschenlampe zurück, die ihm beim Klettern am Steilufer ins Wasser fällt. Die sehr lichtstarke und wasserdichte Lampe sinkt langsam und leuchtet an dieser Stelle die Tiefe des Sees aus, die er erst jetzt als Abgrund gewahrt, was ihn, der an Höhenangst leidet, in Panik versetzt. Wie von Sinnen stolpert er weiter, verläuft sich und braucht Stunden, bis er völlig erschöpft im Morgengrauen sein Auto erreicht. Er startet. Als er die Seelände entlang zur Straße fährt, kommt ihm ein anderer Wagen entgegen, den er schließlich als Polizeiauto erkennt. Wieder steigt Panik auf, denn er hat keine Fahrerlaubnis für die Seelände. Er fährt langsam weiter, das Polizeiauto hält an, wendet. Blaulicht. Erwin fährt rechts ran, der Beifahrer steigt aus und kommt zu ihm. Er wird kontrolliert; Erwin ist hochnervös. Der Beamte fragt, ob er etwas getrunken habe. Der Fahrer steigt auch aus. Erwin sagt, dass er Nachtwanderer sei, sich verlaufen habe und erst sehr spät den Rückweg gefunden hätte. Zeigt den Beamten die durchnässten Bergschuhe. Sie glauben ihm, trotzdem kassiert er eine Verwarnung wegen unerlaubten Fahrens an der Seelände. Danach wünschen sie ihm gute Fahrt und raten ihm, doch ein Zimmer zu nehmen und sich auszuruhen. Er erzählt von seiner alten Mutter zu Hause und löst damit die druckvolle Situation auf. Dann fährt er nach München zurück, arbeitet noch eine Woche, nimmt zwei Wochen Urlaub. Die nächsten Nächte ist er wieder draußen auf seinem heimlichen Boot, friert, hungert. Mit jeder weiteren Nacht wächst seine Angst vor dem Abgrund. Als er irgendwann einen Fisch an der Angel hat und der Fisch anfängt zu ziehen, hat er alle Hände voll zu tun... die Kamera wackelt und schwankt und er balanciert sie mit Bändeln entsprechend in Position, während er in der anderen Hand die Angelrute hält. Da es ein mächtiger Fisch ist, wird es immer schwieriger. Erwins Kraft und Energie lassen nach und er wird kleiner, schrumpft praktisch von Minute zu Minute. Das Kräfteverhältnis verschiebt sich langsam zugunsten des Fisches, der immer größer wird. (Wenn Angler über ihre Beute erzählen, wachsen die Fische von Sekunde zu Sekunde...) Am Ende siegt der Hecht, dessen riesiges Maul an die Wasseroberfläche kommt und den kleinen und geschrumpften Erwin samt Angelrute ins Wasser zieht. Dann kehrt wieder Ruhe auf dem See ein. Die Wellen glätten sich und in der langsam heraufziehenden Morgendämmerung dümpelt ein Boot dahin. Eine Lampe leuchtet, die Kamera wackelt ganz sachte und surrt noch, bis es "Klack" macht.

In den Abendnachrichten werden Ausschnitte aus Erwins Film gezeigt. Er ist als vermisst gemeldet und die Polizei erbittet Hinweise aus der Bevölkerung.

In dieser letzten Szene sieht man den kurzen Fernsehbericht. Die Kamera entfernt sich langsam nach hinten, die Silhouette eines Mannes in einem Sessel wird sichtbar. Er isst Chips und trinkt Bier.

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Ein weiteres Fragment unter Fragmenten ist meine Idee des "Herzenswärmers". Adorno schreibt in Graeculus (II) - Notizen zu Philosophie und Gesellschaft 1943 - 1969:

"Es ist ein nicht wieder gutzumachendes Unglück, daß in Deutschland alles, was irgend mit dem Glück der Nähe, Heimat zu tun hat, der Reaktion verfallen ist; der Philisterei und Vereinsmeierei erst, der Selbstgerechtigkeit der Beschränkten, dem Herzenswärmer, dem Nationalismus, schließlich dem Faschismus. An keinem alten Winkel kann man sich freuen ohne sich zu schämen und ohne Gefühl der Schuld. Dadurch geht etwas verloren, was dem Fortschritt zu retten wäre."

Ein 1999 verstorbener Freund und ich machten uns trotzdem auf die Suche nach "neutralen" Herzenswärmern in Texten der Weltliteratur, die ich visuell umsetzen wollte für eine Website, auf der jeder seinen erklärten Herzenswärmer hätte hochladen können. Aus Kostengründen kam es nie zu einer Realisierung, aber die Domain ist noch in meinem Besitz. Zwei Beispiele hierzu:

Flash-Beckett

Flash-Shakespeare

 

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Typ = 1960 geboren in Niederbayern. Weiche Schale, harter Kern. Bin am liebsten im Wald, weil er nicht inflationär ist.